Ostkreuzschule für Fotografie
Seminar Ina Schoenenburg

25. - 29. 9. 2020

Kunstquartier Bethanien

Jörn Frenzel

ZEYCHEN UND WUNDER

“Wir lebten in Tagen von Zeychen und Wundern – wo sind sie hin, keiner sah sie geh’n…?” (AG Geige)

ZEYCHEN UND WUNDER ist die Chronik eines sich wandelnden Lebensgefühls im Mikrokosmos. Rätsel- und zuweilen zauberhaft scheint unser Zusammensein auf, wird von seltsamen Wesen bevölkert. Es handelt sich bei dieser Serie um das Changieren zwischen Denken und nichts Denken, Fotografieren und nichts Fotografieren. Es gibt kein Narrativ – nur Licht und Farbe der Protagonisten.

ZEYCHEN UND WUNDER (English: signs and miracles) is the chronicle of a shifting mood, an attitude towards life in a microcosm. Enigmatically, and sometimes magically our togetherness emerges, strangely inhabited by curious creatures. This series is about drifting between thinking and not thinking at all, taking pictures and not taking pictures. There is no narrative – only the light and colour of the protagonists.

@joernfrenzel

Judith Weber

NIGHTLY IT FLAPS OUT

"Von einem Schrei bin ich bewohnt.
Nachts flattert er aus,
Schaut anhand seiner Haken nach irgendetwas zum Lieben.

In Angst und Schrecken versetzt hat mich dies dunkle Ding,
Das da schläft in mir;
Tags spüre ich, wie es sich umdreht, federleicht, seine Boshaftigkeit."

aus Ulme von Sylvia Plath
"I am inhabited by a cry.
Nightly it flaps out
Looking, with its hooks, for something to love.

I am terrified by this dark thing
That sleeps in me;
All day I feel its soft, feathery turnings, its malignity."

from Elm by Sylvia Plath
www.judith-weber.com | @judithweber mail@judith-weber.com

Heike Günther

LILIEN AUF DEM FELD

Diese Arbeit spürt der Begegnung mit einer jungen Frau nach, die – körperlich stark behindert – zutiefst gläubig ist und eine ganz persönliche Beziehung mit Gott erlebt. Sie kann seine Stimme hören und körperliche Gegenwart erfahren. Mit seiner Zusicherung eines erfüllten Lebens in Würde verlässt sie in einer tollkühnen Aktion ihr abhängiges Dasein in Pflegeheimen und gewalttätigem Elternhaus und beginnt in Hamburg einen Neuanfang.

Die Bilder sind als Resonanz auf ihre Erzählungen entstanden – und spiegeln meine Frage wider, ob wir eine innere Weisheit haben, die uns leiten würde, wenn wir ihr zuhören würden.

Lilies in the Field – This series resonates from the encounter with a young woman, who – physically severely handicapped – is profoundly religious and experiences a very personal relationship with God. She hears his voice and feels his corporeal presence. Due to his assurance of a fulfilled life in dignity she leaves her dependent existence in care homes and her violent parental home behind and starts a new life in Hamburg. The pictures were generated as a feedback to her account – and reflect my own question as to whether we possess an innate wisdom, which would lead us if we listened.

www.heikeguenther.de

Matthias Merz

„UND WENN WIR WIRKLICH EINMAL ANDERS SIND…“

lautet eine in der einstigen Jugendclique des Fotografen Matthias Merz bei vielen Gelegenheiten lauthals mitgesungene Songtextzeile der Punkband Die Toten Hosen. Eine jugendtypische Verheißung, sich selbst und den eigenen Idealen immer treu zu bleiben. Nachdem sich die Kontakte mit der Zeit weitgehend verlaufen hatten, sucht er nach 25 Jahren einige seiner damaligen Freunde auf, um zu dokumentieren, wie sie heute leben.

Wie viel ist von den jugendlichen Vorstellungen der Zukunft geblieben? Entsprechen die Freunde von damals immer noch ihrem ehemaligen Selbstbild? Oder erfüllt sich die Verheißung der Jugend, in der für die Zukunft ja alles möglich scheint, vielleicht gerade dadurch, dass man sich verändert? Nicht umsonst heißt schließlich die vollständige Textzeile: „Und wenn wir wirklich einmal anders sind, ist das heute noch scheißegal.“

And if we’re really any different someday... is a line of lyrics by the punk band Die Toten Hosen, that was sung along loudly by the former youth clique of photographer Matthias Merz on many occasions. A typical promise of the youth to always remain true to oneself and one‘s own ideals. After they had gotten out of touch over time he went to see some of his former friends 25 years later to document how they are living today. How much has remained of the young people‘s ideas of the future? Do the friends from back then still correspond to their former self-image? Or is the promise of youth, in which everything seems possible for the future, fulfilled exactly because one changes? It‘s not for nothing that the full line of lyrics says: „And if we‘re really any different someday, we still don‘t give a shit today.“

@matthias_merz | mail@matthiasmerz.com

Eva von Schirach

SCHNORZ

Was wagst mich du, dich anzuahnen?
Hin mit dir.
Lass ab.
Lass mich dich gezwickt sein.
Lass mich deine Sterne abwelken.
Lass deine Laster über mich kommen
Und aus mir heraus.
Lass mich.
Ich beiße hinein. Du lachst.
Wir sind gut miteinander.
Wir sind aufeinander.
Wir sind fluchtlos.
Leih mir 20 Euro und ich kauf uns die ganze Schlacht.

How dare mine you suspecting you. // There with you. // Let go.
Let me be pinch you. // Let me wilt your stars. // Let your vice come over me.
And out of me. // Let me be. // I bite into. You’re laughing.
We are good with each other. // We are on each other.
We are escapeless. // Lend me 20 euros and I buy us the whole battle.

www.itsayorki.de | post@evavonschirach.com

Tine Schmidt

3 KINDER

ich erkenne mich in euch. tiefe verbundenheit. wenn ich euch beobachte, sehe ich etwas, was ich sehr gut kenne, aber auch etwas, was mich erstaunt und verwundert. ich sehe euch, und dann seh ich mich. kindheit ist ein sonderbares ding.

i recognize myself in you. deep connectedness. watching you, i see something profoundly familiar, but also something that surprises and amazes me. through you i see myself. childhood is a curious thing.

www.zitronenmund.de | @zitronenmund info@tineschmidt.de

Jule Bräu

FINDING YOUTH

Sommer, Hitze, Freibad. Neben mir hat sich eine Gruppe von Jugendlichen niedergelassen, zwei Mädchen und drei Jungs. Sie hören Musik, die Jungs erzählen Witze, die Mädchen sitzen nebeneinander auf einem Handtuch und beschäftigen sich mit ihren Handys. Ohne Interesse an den Jungs zu zeigen, stehen die beiden Mädchen wortlos auf und gehen Richtung Schwimmbecken. Sie tragen den gleichen Bikini und die Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Unvermittelt muss ich an meine eigene Jugend denken und ein Gefühl der Fröhlichkeit und Unbekümmertheit überkommt mich. Ich entscheide mich, Jugendliche zu porträtieren um dieses Gefühl der Vergangenheit zu erforschen und wiederzufinden. Dabei interessieren mich die Momente zwischen Unsicherheit und Selbstbewusstsein, und wie dies durch Körperhaltung und Blicke zum Ausdruck kommt.

Summer, heat, pool. A group of teenagers have made themselves comfortable next to me, two girls and three boys. They are listening to music, the boys are telling jokes, the girls are sitting next to each other on a towel and are busy with their mobile phones. Without showing any interest in the boys, the two girls get up silently and walk towards the pool. They wear the same bikini and their hair is tied in a ponytail. Immediately, I’m reminded of my own youth and a feeling of joy and carefreeness overcomes me. I decide to do portraits of teenagers to explore and rediscover these feelings from my past. I am interested in the moments between insecurity and self-confidence, and how they are expressed through posture and gaze.

www.julebraeu.de | @julebraeu

Klaus Heymach

WUNSCHKIND

Pränatalmediziner schätzen, dass sich neun von zehn Schwangeren gegen ein Kind mit Gendefekt oder Behinderung entscheiden. Belastbare Zahlen dazu gibt es in Deutschland nicht. Doch Kinder, deren Gene von der Norm abweichen, dürften immer weniger zur Welt kommen. Denn Bluttests auf Chromosomenabweichungen werden künftig von der Kasse bezahlt. Die Serie WUNSCHKIND zeigt Eltern, die sich bewusst für ein Kind mit einer Trisomie oder Behinderung entschieden haben.

Pregnatologists estimate that nine out of ten pregnant women decide against a child with a genetic defect or disability. There are no solid figures on this in Germany. Yet, children whose genes deviate from the norm are likely to be born in ever smaller numbers. In the future, blood tests for chromosomal abnormalities will be paid for by the public health insurance. The series DESIRED CHILD shows parents who have consciously decided to have a child with a trisomy or disability.

www.klausheymach.com | @klausheymach